Fachartikel

Der Hygieneplan – Ihre „Hygiene-Bibel“ in der Zahnarztpraxis (Erschienen Fachzeitschrift ZMK)

Die neuen Hygiene-Anforderungen in Zahnarztpraxen haben längst andere Zeiten eingeläutet. Was bis vor ein paar Jahren noch völlig akzeptabel war, ist heute undenkbar.

Das bedeutet für Sie als Praxisteam, dass Sie die aktuellen Empfehlungen, Richtlinien und Anforderungen gut kennen müssen und natürlich in der Praxis eins zu eins umsetzen sollten. Dies ist für jede Praxis eine Herausforderung, die mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist.

Hygienemangement: Präventionsmaßnahmen für Ihre Zahnarztpraxis

Dennoch muss man das Gute in der Sache sehen – es geht letztendlich um Präventionsmaßnahmen die alle und jeden in der Praxis vor Krankheiten und/oder Infektionen, ggf. verbunden mit Rechtstreitigkeiten, schützen sollen. Denn ist das Kind einmal in den Brunnen gefallen, ist es oftmals zu spät. Sie kennen die Sätze wie: „Gesundheit ist das höchste Gut“ oder „Vorsorge ist besser als Nachsorge“. Was für Ihre Patienten in der Behandlung zählt, gilt auch im Falle der Hygiene-Anforderungen in der Praxis.

Wichtig ist hier, dass das ganze Praxisteam die Anforderungen an die Hygiene und die Aufbereitung von Medizinprodukten kennt und diese in Form von Arbeitsanweisungen, Checklisten und Hygieneplänen schriftlich dokumentiert sind.

Der Hygieneplan= Ihre „Hygiene-Bibel“

Ein zentraler Dokumenationsort sollte bzw. muss Ihr individuell erstellter Hygieneplan im Aufbereitungsraum sein. In diesem Hygieneplan sind alle Anweisungen zur Umsetzung der Hygienerichtlinien beschrieben und müssen von allen in der Praxis genau so und nicht nach eigenem Belieben durchgeführt zu werden.

Der individuell ausgefüllte Hygieneplan in der Praxis ist sozusagen Ihre „Hygiene-Bibel“.

Sie kennen sicher noch die vorgefertigten Hygienepläne beispielsweise von Dentaldepots – ein großes Plakat, schön bunt, alles ausgefüllt – fix und fertig, um es im Steri aufzuhängen. Oder den Hygieneplan der BZÄK vor 2006 – Querformat bestehend aus 4 Seiten ;-). Was waren das für Zeiten?

Der heutige Hygieneplan der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Arbeitskreis für Hygiene in Zahnarztpraxen (DAHZ) besteht aus 32 Seiten – Sie haben richtig gelesen!

Er berücksichtigt alle Maßgaben der zahnärztlichen Hygiene-Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und ist ebenso im Rahmen von hygienischen Praxisbegehungen ein wichtiger Bestandteil.
Anforderungen in den einzelnen Hygienebereichen in der Praxis

Im Hygieneplan sind diese Anforderungen beschrieben:

Händehygiene persönliche Schutzausrüstung Aufbereitungsverfahren für Medizinprodukte, wie: maschinelle Reinigung und Desinfektion im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) manuelle Reinigung und Desinfektion maschinelle Reinigung ohne Desinfektionsstufe thermische Behandlung (Desinfektion) unverpackter Medizinprodukte (MP) im Dampfsterilisator Sterilisation verpackter MP im Dampfsterilisator Reinigung, Pflege, thermische Beghandlung (Desinfektion) semikritischer Übertragungsinstrumente in einem Kombinationsgerät Reinigung, Pflege und Sterilisation kritischer Übertragungsinstrumente in einem Kombinationsgerät Reinigung und Desinfektion von Flächen und Einrichtungsgegenständen Reinigung und Desinfektion von Abformungen und zahntechnischen Werkstücken wasserführende Systeme die Absauganlage die Praxiswäsche die Abfallentsorgung Mundhöhlenantiseptik Antibiotikaprophylaxe Postexpositionsprophylaxe (PEP)

Alle diese Hygienebereiche sind unterteilt in die Anweisungen:

Was? Wie? Womit? Anweisung? Wer?

To do

Eignen Sie sich die notwendigen Sachkenntnisse an. Nehmen Sie sich den Muster-Hygieneplan der BZÄK/des DAHZ als Vorlage zur Hand und individualisieren diesen nach Ihren Praxisgegebenheiten. Unterweisen Sie Ihr Team in den Hygieneplan und lassen sich die Unterweisung unterschreiben. Legen Sie einen zentralen Ort für Ihren Hygienplan fest, damit jedes Teammitglied Einsicht hat.

TIPP

Je ausführlicher Ihr Hygieneplan ist bzw. die schriftlichen Anweisungen in den einzelnen Hygienebereichen dokumentiert sind, desto einheitlicher kann Ihr Hygienemanagement in der Praxis funktionieren.

Integrieren und instruieren Sie das ganze Praxisteam – denn nur gemeinsam können die Hygiene-Anforderungen umgesetzt werden. Denken Sie immer daran – in der Hygiene geht es um Prävention und eigenverantwortliches Handeln.

Unterstützung zu diesem umfangreichen Thema finden Sie in den Fachformaten „Leitfaden Praxisbegehung“ und „Hygienemanagement in der zahnärztlichen Praxis“, inklusive der aktuellen Hygieneplan-Muster-Vorlage der BZÄK/des DAHZ von März 2017.

Ihre
Nicola V. Rheia

Der 6-Punkte-Plan – optimale Vorbereitung für die Praxisbegehung (Erschienen Fachzeitschrift ZMK)

Es bleibt spannend – ständig neue Anforderungen, alles wird anspruchsvoller und die Herausforderung für Sie als Praxisteam wachsen. Jetzt heißt es, nicht den Kopf in den Sand stecken – denn die geforderten Hygiene-, Arbeitsschutz- und QM-Maßnahmen beinhalten umfangreiche Themengebiete, die nicht ad hoc erarbeitet werden können. Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Daher ist eine bestmögliche und frühzeitige Vorbereitung notwendig!

Mit diesem 6-Punkte-Plan bereiten Sie sich optimal vor:

1. Legen Sie Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten in der Praxis fest

Damit jeder genau weiß, was er zu erledigen hat bzw. für was er verantwortlich ist, ist es notwendig, dass Sie im Team diese Regelungen besprechen und schriftlich festhalten.

Bestimmen Sie eine Hygieneverantwortliche in Ihrer Praxis.

Machen Sie klar, dass für etwas verantwortlich sein nicht automatisch bedeutet, dass dieser Mitarbeiter alle Tätigkeiten alleine ausführen muss.

Die Aufgaben können delegiert werden. Jedoch hat der verantwortliche Mitarbeiter zu gewährleisten, dass die Aufgabe so durchgeführt und erledigt wurde, als hätte er es selbst getan.

Klären Sie außerdem im Team offen und eindeutig, wer wem etwas sagen darf. Denn sonst kann es zu Reibereien kommen.

Eine Besprechung im Team sollte unbedingt angesetzt werden. Diese Besprechung ist sehr wichtig, damit alle auf dem gleichen Informationsstand sind. Das heißt, dass jeder weiß genau, wer von den Kollegen welche Zuständigkeiten bzw. Verantwortlichkeiten hat.

2. Eignen Sie sich Fachwissen/Sachkenntnisse an

Die mit der Aufbereitung von Medizinprodukten (MP) beauftragten Mitarbeiter müssen gemäß § 5 in Verbindung mit § 8 MPBetreibV aufgrund ihrer Ausbildung und praktischen Tätigkeit über die aktuellen Kenntnisse verfügen.

Folgende Inhalte der Sachkenntnis laut Anlage 6 der RKI-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ (2006) müssen vorhanden sein:

Instrumentenkunde Kenntnisse in Hygiene und Mikrobiologie (einschließlich Übertragungswege) Risikobewertung und Einstufung von Medizinprodukten gemäß der RKIBfArM-Empfehlung „Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ sachgerechtes Vorbereiten (Vorbehandeln, Sammeln, Vorreinigen, Zerlegen) Reinigung Desinfektion Spülung und Trocknung Prüfung auf Sauberkeit und Unversehrtheit Pflege und Instandsetzung Funktionsprüfung Kennzeichnung Verpackung Sterilisation dokumentierte Freigabe der Medizinprodukte zur Anwendung/Lagerung räumliche und organisatorische Aspekte der Aufbereitung Erstellen von Verfahrens- und Arbeitsanweisungen zur Aufbereitung Rechtskunde (MPG, MPBetreibV, BioStoffV, GefStoffV)

3. Führen Sie einen Vorab-Praxischeck durch

Um Defizite bei der Umsetzung der geforderten Maßnahmen zu erkennen, ist eine Analyse des aktuellen Ist-Stands unumgänglich. Verschaffen Sie sich einen Überblick, indem Sie anhand einer Checkliste überprüfen, was bereits umgesetzt wird und in welchem Bereich Handlungsbedarf besteht.

4. Legen Sie umzusetzende Maßnahmen fest

Aufgrund des Vorab-Praxischecks (Ist-Stand-Analyse) sehen Sie nun, in welchen Bereichen Sie tätig werden müssen. Erstellen Sie nun den Maßnahmenplan, indem Sie das zu behebende Defizit definieren und die zu ergreifende Maßnahme festlegen.

5. Kommunizieren Sie Ihre Ergebnisse der Praxisleitung/dem Team

Nur gemeinsam kommen Sie voran – alles andere ist zäh und enttäuschend!

Das heißt für Sie, dass Sie von Anfang an Ihr Team bzw. Ihre Kollegen über die Situation, Ihr Vorhaben und Ihre Vorstellungen über den Ablauf informieren sollten.

Legen Sie genau fest, wer welche Aufgaben zu übernehmen hat, und definieren Sie auch eindeutig, bis wann Aufgaben erledigt sein sollen.
Legen Sie eine To-do-Liste an mit

den zu erfüllenden Aufgaben, den zuständigen Personen, einem Datum bis wann die Aufgabe erledigt sein soll, eine Kontroll-Spalte, um zu überprüfen, ob die Aufgaben auch durchgeführt wurden, und eine Spalte für sonstige Hinweise.

6. Gehen Sie gemeinsam an die Umsetzung

Planen Sie sich feste Zeiten für die Teambesprechungen ein, die Sie nicht verschieben.

Auch die Überprüfung, ob die Aufgaben zum vorgegebenen Zeitpunkt erledigt sind, ist ein äußerst wichtiger Bestandteil. Einerseits wissen Sie so um den Stand der Dinge und bekommen ggf. Hinweise oder zusätzlich wichtige Informationen zu den Punkten; andererseits sind Ihre Mitarbeiter/Kollegen aktiver in die Verantwortung genommen, wenn sie wissen, dass ihre zu erledigenden Aufgaben auch besprochen werden.

Verzagen Sie nicht, wenn nicht gleich alle Aufgaben zu Ihrer vollsten Zufriedenheit erfüllt sind. Manchmal fehlen noch Informationen oder es muss Rücksprache gehalten werden, um die Aufgabe letztlich bis zum Ende durchführen zu können.

Hier ist es wichtig, dass Sie genau nachfragen, an was es denn „hakt“!

Nehmen Sie sich Zeit für diese Besprechungen. Zwischen Tür und Angel funktioniert das nicht – Missverständnisse und Unmut im Team wären vorprogrammiert.

Ob Ihr Hygienemanagment bereits steht und Sie es lediglich aktuell zu halten brauchen, ob Sie etwas tun müssen, weil Ihre Hygienemaßnahmen Optimierungspotenzial haben, ob Sie als Praxisgründer neu starten oder tatsächlich eine Praxisbegehung ansteht – das Fachbuch „Hygienemanagement in der zahnärztlichen Praxis“ und der „Leitfaden Praxisbegehung“ sind ideale Nachschlagewerke und eine echte Hilfe für eine optimale Umsetzung Ihrer Hygieneansprüche in der Praxis.

Starten Sie durch und bleiben Sie am Ball. Viel Erfolg!

Ihre Nicola V. Rheia

Die häufigsten Mängel bei der Hygiene im zahntechnischen Labor
(Erschienen Fachzeitschrift ZMK)

Auch in Dentallaboren und Praxislaboren steigen die Hygieneanforderungen – sei es bei der Desinfektion und Reinigung, beim Hygieneplan oder bei der Haut- und Händereinigung.

Mängel bei der Desinfektion und Reinigung

Es ist kein Hygienehauptverantwortlicher im Labor ernannt. Die erforderliche Sachkundekenntnis der Mitarbeiter und die dementsprechenden Schulungsnachweise liegen nicht vor, sind nicht dokumentiert oder sind nicht vorhanden. Es ist kein separater Desinfektionsplatz vorhanden. Es liegt keine arbeitstechnische Trennung in einen kontaminierten (unreinen) und einen desinfizierten (reinen) Bereich vor. Es liegt kein Raum-Zonen-Konzept vor, das heißt Tätigkeiten im unreinen und Tätigkeiten im reinen Bereich sind nicht eindeutig schriftlich definiert. Der Desinfektionsplatz ist nicht gekennzeichnet. Am Desinfektionsplatz finden außer der Desinfektion und Reinigung noch andere Tätigkeiten statt. Es ist kein hygienischer Händewaschplatz vorhanden. Bereits desinfizierte und gereinigte Gegenstände bleiben zu lange am Desinfektionsplatz stehen, bis diese in vorgesehene Kisten bzw. an den Arbeitsplatz kontaminationsgeschützt verbracht werden. Die Arbeitsanweisungen für die Schritte der Desinfektion und Reinigung fehlen, sind nicht aktuell oder nicht korrekt. Die Mitarbeiter sind nicht in die Arbeitsanweisungen eingewiesen. Die Herstellerangaben zu den Reinigungs- und Desinfektionsmitteln werden nicht beachtet. Es werden keine geeigneten (desinfizierbaren) Transportkisten benutzt. Desinfektionsmittel ist nicht VAH-gelistet. Die Lösung wird falsch angesetzt, da keine genaue Anleitung/Dosiertabelle vorhanden ist. Es wird keine Dosierhilfe verwendet (Schussmethode). Es stehen keine/die falschen Reinigungshilfsmittel (z. B. Bürstchen) zur Reinigung zur Verfügung. Die Bürstchen werden nicht regelmäßig desinfiziert. Desinfizierte und gereinigte Gegenstände werden nicht auf Rückstände und Beschädigung kontrolliert. Das Desinfektions-Protokoll ist nicht vorhanden oder nicht korrekt ausgefüllt.

Mängel beim Hygieneplan

Der Hygieneplan hängt nicht aus oder ist nicht auf dem aktuellen Stand. Es liegt keine Hygieneplan-Einweisung vor. Die Laborfahrer und das Reinigungspersonal sind nicht in den Hygienerichtlinien unterwiesen.

Mängel bei der Haut- und Händehygiene

Es liegt kein Hautschutzplan vor. Es werden Ringe, Armreifen und/oder Uhren getragen. Die Händedesinfektion wird fehlerhaft durchgeführt. Die Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels ist nicht bekannt. Es ist nicht bekannt, dass vor dem Anziehen und nach dem Ausziehen von Schutzhandschuhen eine Händedesinfektion erforderlich ist. Das Händedesinfektionsmittel ist nicht VAH-gelistet. Es werden Stückseife und Gemeinschaftshandtücher verwendet. Spender für Händereinigungsmittel und/oder Desinfektionsmittel, insbesondere Auslass, ist verschmutzt. Wasserarmaturen, Spender für Händereinigungsmittel und/oder Desinfektionsmittel sind nicht berührungsfrei zu betätigen. Es werden keine Handpflegemittel zur Verfügung gestellt. Es wird mit Wunden/entzündeten Händen ohne Schutz gearbeitet.

Mängel bei der Flächendesinfektion und -reinigung

Flächendesinfektionsmittel ist nicht VAH-gelistet. Die Lösung wird falsch angesetzt, da keine genaue Arbeitsanweisung besteht. Es werden nicht arbeitstäglich frische Putztücher verwendet, sondern bereits benutzte Reinigungsutensilien wiederverwendet. Es erfolgt keine Scheuer-Wischdesinfektion sondern eine Sprühdesinfektion. Es gibt defekte Oberflächen, so dass eine sachgemäße Flächendesinfektion erschwert bzw. unmöglich ist. Es wird eine Lagerung auf dem Schrank oder auf dem Boden durchgeführt, so dass eine Reinigung bzw. Desinfektion erschwert/nicht möglich ist. Im Desinfektionsbereich befinden sich auf den Ablageflächen Gegenstände (Kugelschreiber, Notizblöcke, Kaffeetasse), die somit kontaminiert sein können.

Mängel bei der Arbeitskleidung und Schutzausrüstung

Die Arbeitskleidung wird bei Kontamination nicht umgehend gewechselt. Die Arbeitskleidung wird beim Verlassen des Labors nicht abgelegt. Es wird bei der Desinfektion und Reinigung keine oder nicht ausreichende Schutzausrüstung getragen. Schutzausrüstung, die nicht als Einmalartikel verwendet wird, wird nicht desinfiziert.

Überlassen Sie auch in Ihrem Labor nichts dem Zufall – Prävention ist immer besser als wieder gesund werden zu müssen.

Ihre Nicola V. Rheia